Legacy Glass



Viele denken bei Altglas an den nächsten Container um die Ecke. In den Zeiten der digitalen Fotografie meint man jedoch analoge Objektive und bezeichnet diese auch gern als Vintage oder Legacy Glass. Besonders beim Systemeinstieg sind diese Optiken mit Ihrem 35 mm Bildkreis oft eine günstige Alternative zu teuren Autofokus Objektiven, vor allem im Vollformat Bereich.

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Wenn man sich ein bisschen umschaut findet man sie überall, alte manuelle Objektive.

Diese Optiken werden als Legacy Glass, Vintage Glass oder Altglas bezeichnet.

 

In Online-Auktionshäusern, in Fotogeschäften und auf Flohmärkten gibt es eine wahre Schwemme davon.

Man bekommt sie zum Schnäppchen Preis von 1 Euro bis hin zu Sammlerstücken mit fünfstelligen Preisen!

 

Prinzipiell kann man zwar an fast alle Systemkameras alte, manuelle Objektive adaptieren, aber Kamera Hersteller die Fokus Peaking und Fokus Lupe unterstützen haben einen klaren Vorteil. Bei den meisten DSLR und vor allem bei spiegellosen Kameras benötigt Ihr einen Adapter, um das Altglas mit Eurer Kamera zu verbinden.

 

Eine große Gemeinde von Fotografen berichtet wahre Wunderdinge über solche Oldtimer. Ob dies immer der Wahrheit entspricht muss im einzelnen Fall geklärt werden. Aber eines ist klar, dank der DSLM Revolution steigen bei gutem Altglas kontinuierlich die Preise.

 

Aber warum sollte man sich ein 40 oder 50 Jahre altes Objektiv kaufen?

Egal ob es um Foto oder Video geht, das Preis-Leistungsverhältnis ist unschlagbar!

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Manche Optiken können immer noch ohne Adapter verwendet werden, wie bei Leica, Pentax und Nikon (nicht bei Einsteigermodellen).

 

Alte manuelle Objektive sind aber auch eine sehr interessante Option für spiegellose Systemkameras, besonders für Nutzer von Sony DSLM´s. Denn E-Mount Kameras besitzen ein sehr flaches Auflagemaß, was Euch ermöglicht nahezu 95% aller Objektive zu adaptieren, die jemals gebaut wurden. Denn das E in E-Mount steht für 18 Millimeter, da der Spiegelkasten, wie bei einer DSLR entfällt (dieser hat ein Auflagemaß von circa 44 -48 Millimeter).

Vorteile

 

Für Euer Geld bekommt Ihr eine gute Offenblende, oft ein sehr schönes Bokeh und manuellen Zugriff auf die Blende.
Ihr bekommt Spezial Optiken, wie Shift- oder Makroobjektive zu erschwinglichen Preisen.

 

Hier ein paar Beispiele vom Tokina AT-X 50-250 f4-5.6 Macro, bei 50 mm Macro Einstellung:

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Da die Objektive in der Regel aus Metall gefertigt wurden, sind sie robuster und mechanisch besser verarbeitet, als günstige AF-Objektive.
Diese alten Optiken wurden meist für Kleinbild oder Mittelformat gefertigt und können an vielen aktuellen Sensoren verwendet werden. Denn der Bildbereich wird sowohl bei Vollformat, APS-C und mFT abgedeckt.
Früher wurde, im Customer Bereich, in die Fertigung auch mehr Geld investiert und mehr Blendenlamellen verbaut. Dies hat eine runde Blendenöffnung zur Folge und führt somit zu sanfter unschärfer, auch im Hintergrund. Moderne Objektive sind zwar schärfer aber auch teurer, oft auch wegen des verbauten Autofokus Systems und verbautem Bildstabilisator.

Bei Filmern besonders beliebt sind der manuelle Blendenzugriff, Lens Flares und der Vintage Look. Aber auch der längere Fokusweg ist ein Feature was man heutzutage meist nur noch bei Cine-Objektiven findet.

Die Flares und der Vintage Look ergeben sich aufgrund der damaligen verwendeten oder teilweise gar nicht vorhandenen Vergütung und sind bei Fotos nicht immer gewünscht. Sie sind aber von Objektiv zu Objektiv unterschiedlich stark ausgeprägt. Beispielfotos im Internet helfen Euch das Potential einer Optik zu beurteilen.

 

Hier ein paar Beispiele von solchen Lens Flares:

Nachteile

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Es gibt auch ein paar Einschränkungen, wenn man mit Vintage Glas fotografiert.

Ihr könnt nur manuell Fokussieren, was nicht immer schlecht sein muss. Man nimmt sich für seine Fotos mehr Zeit und benutzt die manuellen Objektive in entsprechenden Situationen, wie Landschafts- oder Portrait Fotografie. Leica stilisiert diesen Umstand zum „entschleunigten Fotografieren“!

 

Alte manuelle Objektive sind in ihrer optischen Leistung häufig schlechter als aktuelle Optiken. Gute aktuelle Objektive müssen weniger, bis gar nicht abgeblendet werden. Altglas müsst Ihr in der Regel um ein bis zwei Blendenstufen abblenden, um eine zufriedenstellende Schärfe zu erreichen.

 

Bei Farbfehlern und Verzerrungen sind moderne Objektive oft deutlich besser korrigiert, dank spezieller Linsenelemente. Diese Fehler werden bei nativen Objektiven meist auch schon in der Kamera heraus gerechnet.

 

Manche Optiken haben einen Vintage Look, der nicht jedem Anwender gefällt. Hier entscheidet der individuelle Geschmack des Fotografen, ob die Farbgebung, Schärfe und Bokeh überzeugen.

 

Aufgrund fehlender Kontakte am Objektiv könnt Ihr nur manuell Blitze ansteuern, da keine TTL Steuerung unterstützt wird. Ebenso lassen sich keine Meta Daten in die Bildinformationen schreiben (Informationen zu allen gewählten Einstellungen, mit denen das Foto entstanden ist).

 

Meine Erfahrungen mit Altglas

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Gerade wenn man anfängt für die Fotografie Begeisterung zu entwickeln, wird der Enthusiasmus schnell von den Marktpreisen ausgebremst.

Mit den Jahren erkennt man zwar, dass es sich durchaus lohnt in native Objektive sein Geld zu investieren, aber um zu dieser Erkenntnis zu gelangen braucht es meist Zeit und Erfahrungswerte.

Vintage Glas kommt einem da preislich stark entgegen. Und die Zeit um manuell zu fokusieren bringt man bei einem Hobby gern auf.

 

Da saß ich nun, ganz am Anfang. Als ich mich entschloss eine DSLM zu kaufen. Eine Sony Nex 5n, mit Kit-Objektiv. Ich habe mich damals ganz gezielt für dieses Modell entschieden, denn die 5n hatte als erste Sony DSLM Fokus Peaking!

Ich hatte mich kundig gemacht und belesen, die Preise verglichen und das Objektivsortiment durchforstet. Und ich wusste, dass selbst wenn ich mich für die Fotografie dauerhaft begeistere, werde ich mir auf kurze Zeit keine teuren AF-Objektive leisten können.

Die Sony Kamera bot mir da eine sehr interessante Alternative. Ich kaufe einfach günstiges Altglas und adaptiere diese Optiken, via Adapter an meine Nex.

 

Nach zwei Wochen knipsen mit dem Kit-Objektiv wusste ich, das kann es nicht gewesen sein. Ich wollte fotografieren, Malen mit Licht!

Natürlich hatte ich mich schon auf die Suche nach Altglas begeben und war auch bei Ebay fündig geworden. Innerhalb von 6 Monaten investierte ich circa 360 € in fünf Objektive und entsprechende Adapter.

 

Um folgende Objektive handelte es sich:

Tokina RMC 17mm f3.5 (MD-Anschluss)
Soligor 28mm f2.8 (MD-Anschluss)
Konica Hexanon 40mm f1.8 (AR-Anschluss)
Minolta MD 50mm f1.7 (MD-Anschluss)
Minolta MD 135mm f2.8 (MD-Anschluss)
Tokina A-TX 50-250mm f4-5.6 Macro

 

Bitte bedenkt immer, auch wenn es sich meistens um Kleinbild (Vollformat) Objektive handelt gilt weiterhin der Crop Faktor von Eurer Kamera. Das heißt 50mm entsprechen nach wie vor 75mm an APS-C!

 

Es waren größtenteils tolle Linsen, aber ich zahlte auch Lehrgeld. Das kommt davon, wenn man der Meinung ist, dass man es besser weiß als die vielen Tests im Internet.

Ich kann Euch einen guten Rat mit auf dem Weg geben. Wenn mehrere Beurteilungen ein Objektiv gleich gut oder schlecht bewerten, dann ist das auch eine realistische Einschätzung!

 

Meine Lehrstunde war ein Soligor 28 mm 2.8 Objektiv. Die Meinungen hierzu waren eindeutig und verheerend schlecht! Aber der Preis war verlockend und ich dachte mir, so schlecht wird es schon nicht sein. Nun ja, scharf ist etwas anderes. Aber es war mit 15€ kein Vermögen, das ich investiert habe. Ich lernte durch solche Fehlkäufe die optische Qualität von verschiedenen Objektiven besser zu beurteilen. Es gibt halt keinen Schaden ohne Nutzen.

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Im Gegensatz zum Soligor war ein herausragendes Objektiv das Konica Hexanon 40mm f1.8, mit AR-Anschluss. Bereits bei Offenblende war es sehr scharf, wenn auch etwas soft zu den Rändern hin. Abgeblendet auf f4 konnte man damit Glas schneiden! Besonders im Vergleich zu dem Bösen Soligor oder auch zum Kit-Objektiv, schlug sich das Konica mit Bravour und wurde zu meiner Lieblingsoptik.

In Verbindung mit Fokus Peaking konnte ich mit dem Altglas gestochen scharfe Bilder machen. Dies gelang anfangs nur bei unbewegten Objekten. Aber mit der Zeit lernte ich durch die manuelle Bedienung mehr über die physikalischen Prozesse, welche für ein Foto entscheidend sind. Somit war die Entscheidung ein Altglas zu verwenden äußerst lehrreich.

Gute Freunde, welche mit AF-Systemen fotografierten empfanden diese Art der Fotografie als Selbstgeißelung, waren aber zugleich erstaunt darüber zu welchen Ergebnissen ich bereits nach kurzer Zeit gelangte.

 

Natürlich muss man Zeit und Affinität mitbringen, um so zu fotografieren. Aber es spart erst einmal viel Geld und bringt unglaublich viel Erfahrung mit sich. Ich habe mich fotografisch dadurch deutlich schneller weiterentwickelt. Man lernt auf die klassische Weise, wie Blende, Zeit und ISO-Wert miteinander interagieren.

 

Es gibt zwar bei jedem Hersteller von analogen Objektiven schwache Linsen, aber generell sind folgende Hersteller prädestiniert gute manuelle Optiken hergestellt zu haben:

 

Zeiss, Leica, Voigtländer, Minolta, Konica, Nikon, Olympus, Canon und Pentax

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Bei den Zeiss Objektiven gibt es zwei Fertigungslinien. Eine aus der DDR und eine aus der BRD.

 

Bei den Ost-Linsen sind wenige Perlen dabei und man sollte in diese kein großes Budget investieren.


Ähnlich verhält es sich mit fast allen Objektiven, mit M42 Anschluss. Hier gibt es auch viele Mittelformat Optiken, welche aufgrund des größeren Bildkreises und der Rechnung auf Mittelformat, an kleineren Sensoren wenig scharf abbilden.

Hierzu zählen bspw. Pentacon Six oder Mamiya Gläser.

Ich benutze aktuell zwar immer noch eine 40 Jahre alte manuelle Optik, das Tokina AT-X 50-250 f4-5.6 Macro, da ich mein Portfolio nur Schrittweise ausbauen konnte. Tendenziell ersetzt man aber auf Dauer die Altgläser und ich habe diesen Prozess fast abgeschlossen, wenn ich das Tokina durch des Sony FE 90 2.8 Macro ersetze.

 

Denn auch wenn Vintage Glass ein guter und günstiger Einstieg ist, werdet Ihr in vielen Situationen einen Autofokus zu schätzen wissen. Und besonders bei hochwertigen, aktuellen Optiken werdet Ihr starke Unterschiede in der Bildqualität, der Farbwiedergabe und CA´s  wahrnehmen!

 

Hier eine Auswahl an Fotos, welche mit einigen dieser analogen Objektive entstanden sind:

Und hier noch zwei Bilder im 100% Crop, um Euch die Schärfe dieser manuellen Objektive vor Augen zu führen.

Adapter

 

Wenn Ihr ein Legacy Glass an Eure Kamera adaptieren wollt, benötigt Ihr meist nur einen einfachen Adapter. Diese kosten zwischen 10-40 Euro, können aber auch bis zu mehreren hundert Euro teuer sein.

Man begründet die teuren Adapter damit, dass sie das Scharfstellen auf unendlich gewährleisten und passgenauer sind.

Ich habe verschiedene einfache Adapter über die Jahre genutzt und selten mehr als zehn Euro investiert. Alle haben ohne Probleme auf unendlich scharf gestellt und waren passgenau. Lediglich beim Umstieg von meiner Nex 5n auf die A7 II musste ich mir neue Adapter kaufen, da die alten nicht mehr passten. Dies war aber dem überarbeiteten Bajonett geschuldet, welches durch neue Materialien stabiler war, aber dadurch ein geringeres Auflagemaß hatte.

 

Zu den teuren Versionen gehören beispielsweise auch elektronischen Adapter. Mit diesen könnt Ihr nicht nur an DSLR´s alte AF-Objektive ansteuern. Dank Hybrid Autofokus bei Sony, könnt Ihr auch an aktuellen Fremdobjektiven mittels elektronischem Adapter Zugriff auf die Blende und den Autofokus nehmen. Dies erweitert die Objektivpalette immens. Beispiele hierfür sind der Sigma MC-11 mit Canon EF-Bajonett oder Sigma-Bajonett auf Sony E-Mount Bajonett. Oder die Adapter von Metabone, Fotodiox und Commlite.

 

Achtet darauf den richtigen Adapter zu kaufen! Beispielsweise bei Sony benötigt Ihr den Anschluss zum Bajonett des Altglases und auf der anderen Seite zu Sony E-Mount oder Nex. Ab den A7 MKII Modellen und ab der A6300 sind die Bajonettauflagen dicker, daher sollte der Adapter explizit für diese neue Version ausgelegt sein.

Hier eine Liste von gängigen Anschlüssen von Altglas:

 

AR, MD/MC, A, F, FD, EF/EFS, PK, M42

Objektive des gleichen Dritt-Herstellers können unterschiedliche Anschlüsse haben, da meist für mehrere Kamera Hersteller gefertigt wurde.
Beispielsweise kann ein Konica Hexanon Objektiv folgende Anschlüsse haben: AR, MD/MC, F, FD, PK

Worauf Ihr beim Kauf achten solltet!

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Es gibt viele begeisterte Erfahrungsberichte im Internet. Diese solltet Ihr mit Vorsicht genießen, denn oft sind sie dem niedrigen Preis und der fehlenden Erfahrung geschuldet. Belest Euch ausführlich und schaut Euch Testbilder gut an und vergleicht sie mit denen von anderen interessanten Objektiven. Da jedes Objektiv ein anderes Bokeh hat, kann dies die Bildwirkung bei Offenblende stark beeinflussen!

 

Auch wenn die Linse der Begierde zu den guten seiner Zeit zählte, ist nicht jedes alte Objektiv ein Leckerbissen. Ihr solltet die Optik mit Sorgfalt untersuchen.

 

Nicht immer wurden sie pfleglich behandelt oder richtig gelagert. Daher solltet Ihr darauf achten, dass die Blendenmechanik sauber und Ölfrei ist. Die Mechanik der Blendenlamellen sollte leichtgängig sein und nicht schmieren. Auch äußerlich sollten keine Dellen oder Schläge vorhanden sein, da die Mechanik darunter gelitten haben kann.

 

Die Linsen solltet Ihr im Gegenlicht auf Flecken untersuchen. Diese sind tendenziell Staubeinschlüsse oder schlimmer noch, Schimmelbefall. In beiden Fällen solltet Ihr von dem Kauf Abstand nehmen, da eine professionelle Reinigung in keiner Relation zum optischen Mehrwert der Linse steht.

Auch der Gedanke diese Optiken selbst zu reinigen ist ein schwieriges Unterfangen. Man benötigt meist Spezialwerkzeug, um Schaden zu vermeiden und trotz Fehlen elektronischer Elemente, sind die Objektive keineswegs simpel in der mechanischen Zusammensetzung.

 

Die optischen Elemente sollten klar sein und auch keine Kratzer oder Putzspuren aufweisen. Denn diese können zu Abbildungsfehlern führen, da an diesen Stellen die Vergütung beschädigt wurde. Diese senkt die Anfälligkeit des Objektives für Lens Flares.

Wer also Interesse hat neue Brennweiten oder bessere Offenblende auszuprobieren, ein knappes Budget hat und sich fotografisch weiterentwickeln möchte, sollte sich den Gebrauchtmarkt für Objektive näher anschauen.

 

In diesem Sinne: Allzeit gut Licht (oder eine gute Offenblende)!

Stand Juni 2018